Kein Flugzeug, kein ICE und kein Auto ...

Romanische Brücke: Kleine romanische Brücke über einen Fluss


Wer im Mittelalter Reisen wollte, hat sich ganz besonderen Gefahren ausgesetzt.

Wenn man an einem Fluss entlang gelaufen ist, um eine bestimmte Brücke zu nutzen, konnte es sein, das kurz vorher ein feindliches Heer diese Brücke zerstört hat. In diesem Fall ist man gezwungen je nach Fluss ein oder zwei Tagesmärsche weiter bis zu der nächsten Brücke zu gehen und dann wieder ein oder zwei Tagesmärsche zurück um an die Stelle zu gelangen, wo die zerstörte Brücke steht. Alternativ dazu kann man natürlich auch durch den Fluss schwimmen oder falls vorhanden eine Furt nutzen. Gerade im Frühjahr ist es möglich, das durch die Schneeschmelze die Flüsse Hochwasser führen und Brücken in den Fluten mitreisen.

Reisen im Sinne von wirklich von der Stelle kommen ist in Mitteleuropa nur von Frühling bis zum frühen Herbst möglich. In der Übrigen Zeit ist es einfach zu kalt. Sollte das Reisen im Winter wirklich erforderlich sein, kann man aber trotzdem das Passieren der Alpen vergessen. Die Pässe sind zu. Es ist nicht wie heute, ist ein Pass zu, fährt man halt zum nächsten. Der nächste ist nämlich auch zu.

Das Straßennetz ist nicht so ausgebaut, das man immer den kürzesten Weg wählen kann. Die meisten Straßen im Mittelalter sind noch in römischer Zeit entstanden. Seit der Blüte Roms sind schon einige Jahre vergangen, in dem entsprechenden Zustand befinden sich die Straßen.

Es gibt nur wenige Wegweiser. Detaillierte Karte sind Mangelware. Das Risiko sich zu verlaufen besteht immer. Bis man seinen Irrtum bemerkt können zum Teil Tage vergehen.

Mitteleuropa ist im Mittelalter noch sehr waldreich. Durch die dichten und undurchdringlichen Wälder gibt es kaum ein Durchkommen. In seine Reise muss man große Umwege mit einplanen.

Die medizinische Versorgung ist im Mittelalter fast Null. Wer sich auf seiner Reise verletzt, kann nicht damit rechnen gleich versorgt zu werden. Kleine Kratzer können sich entzünden und weit ab von Siedlungen zum Tod führen. Auf den Reisen trifft man viele interessante und im Zweifelsfall auch todkranke Leute. Mit etwas Pech holt man sich unterwegs die Pest oder irgendeine andere gerade aktuelle Epidemie. Um an einer Krankheit zu sterben muss man nicht seine Heimat verlassen. Die Pest kommt auch in die hinter letzten Orte, jedoch ist das Risiko auf Reisen wesentlich höher.

Reisen im Mittelalter: Flüsse sind schwierig zu überwindende Hindernisse

Wenn keine der natürlichen Ursachen für ein vorzeitiges und unplanmässiges Ende der Reise sorgen, besteht die Möglichkeit eines Überfalls. Bei einem Überfall ist die Frage, ob der Reisende rechtmäßig oder illegal seines Vermögens und eventuell auch seines Lebens beraubt wird. Räuber gibt es auf den Straßen zu Hauff. Mit etwas Pech gerät man in den Rachefeldzug eines benachbarten Grafen oder Fürsten. Den Söldnern, die Beute wittern, ist es im Zweifelsfall egal, ob man aus der Gegend kommt oder gar nichts mit dem Konflikt zu tun hat.

Die Motivation eine Reise zu unternehmen ist im Mittelalter ziemlich unterschiedlich zu heute. Wenn heute alle im Sommer gen Süden strömen, um sich an den Strand zu legen, so ist im Mittelalter gereist worden aus religiösen Gründen. Aus Gründen der Entspannung hat niemand freiwillig seinen Ort verlassen. Die Motivation des einfachen Volks ist der Ablass der Sünden gewesen, den man erhalten hat, bei einer Reise nach Santiago de Compostela über den Jakobspfad, eine Reise nach Rom oder noch besser nach Jerusalem.

Manchmal ist eine Reise in die nächste Bischofsstadt schon ein einmaliges Erlebnis gewesen. In der Bischofsstadt wird gerade die Kathedrale fertiggestellt, die auch eine Heiligenreliquie beherbergt.

Eine weitere Motivation für das Reisen im Mittelalter ist das alte Zünftesystem. Die Handwerksgesellen haben ihre Stadt verlassen müssen, um sich auf eine zweijährige Wanderschaft zu begeben. Auf ihrer Wanderschaft sind sind die Handwerker nicht ganz so gefährdet, da allgemein Bekannt ist, das Handwerksgesellen nicht viel in den Taschen haben.

Der Handel mit exotischen Waren hat schon immer einen besonderen Reiz zum Reisen ausgelöst. Wer es schafft einen Sack schwarzen Pfeffers auf einer gut zwei jährigen Reise nach Hause zu bringen, hat für sich und seine Kinder für den Rest des Lebens ausgesorgt.

Was im Zeitalter von SMS und E-Mail kaum noch vorstellbar ist, das im Mittelalter Reisen unternommen worden sind, um Nachrichten zu zu stellen.

Wenn es mal nicht zu heiß, zu kalt oder trocken genug gewesen ist, hat man am Tag maximal 40 km Reisen können.