Das Templersiegel

Gelnhausen: Agnus Dei über dem Eingang der Marienkirche


Da es im Mittelalter nur wenige Menschen gegeben hat, die lesen konnten, mussten eindeutige Symbole den Willen einer Person belegen. So ist ein Siegel als Unterschrift einer einzelnen Person oder einer ganzen Gruppe genutzt worden.

Aus einem solchen Siegel musste exakt hervor gehen, wer diese Urkunde unterschrieben hat und wer dabei vertreten wird. Im Lauf der Zeit haben sich so sehr kunstvolle Siegel entwickelt. Das weltweit wohl bekannteste Siegel ist der Fischerring des Papstes. Die erste Handlung nachdem der Tod eines Papstes festgestellt wird, ist sein Siegel zu zerstören, um Missbrauch zu verhindern.

Wie alle Organisationen und Orden des Mittelalters haben auch die Templer eine ganze Reihe von Siegeln. Nicht nur der Großmeister des Templerordens ist zeichnungsberechtigt, auch die einzelnen Großkomturen benötigen ein Siegel, um Verträge für die von ihnen verwaltete Komtur zu unterzeichen.

Es gibt sehr viele verschiedene Siegel der Templer. Bei diesen vielen verschiedenen Siegeln kommen drei Motive sehr häufig vor. Zum einen ist es der Tempelberg in Jerusalem, der durch die Al Aksa Moschee oder den Felsendom dargestellt wird, das Lamm Gottes und das wohl berühmteste Templersiegel die beiden Ritter auf einem Pferd.

Das Siegel von Evrad de Barres ist das erste eines Großmeisters, welches den Felsendom zeigt. Evrad de Barres ist von 1147 bis 1151 Großmeister. Er ist der erste Großmeister der Templer, der sein Amt nicht bis zum Tod inne hat. Bertrand von Blanchefort ist Großmeiser des Templerordens von 1156 bis 1168. Auch trägt den Felsendom in seinem Siegel, mit dem er den Templerorden vertritt.

Die Templer nutzen in ihrem Siegel den Tempelberg, um ihre Herkunft zu verdeutlichen. Der Tempelberg ist der Gründungsort der Templer und deren Hauptsitz.

Im Besonderen in den englischen Komturen ist das Lamm Gottes, das Agnus Dei, weit verbreitet. Es zeigt ein Lamm, das von einem Kreuz durchbohrt wird. Das Kreuz ist in manchen Siegeln ein Templerkreuz. Dieses Siegel wird zum Beispiel in Frankreich gar nicht benutzt. Die Darstellung Jesu Christi als Agnus die ist in den Ostkirchen verboten.

Das wohl bekannteste Siegel der Templer ist ein Pferd auf dem zwei Templer sitzen. Für dieses Symbol gibt es eine Reihe von Interpretationsmöglichkeiten. Ein möglicher Erklärungsversuch ist, das dieses Siegel ein Symbol für die Armut des Ordens ist, die sich die Templer mit den Ordensregeln auferlegt haben. Dieses Siegel kommt bei den Großmeistern 1168 zum ersten Mal vor und ist bis 1298 in Benutzung.

Die zweite Interpretation des Siegels geht auf eine Schlacht Richard Löwenherz zurück. Während des dritten Kreuzzuges zieht das Heer Richard I. von England auf Jerusalem zu. Er erhält die Kunde, das eine Verstärkungstruppe auf dem Weg ist, Saladin zu unterstützen. Richard I. lässt seine Reiter jeweils einen Fußsoldaten auf die Pferde nehmen und überrascht die Verstärkungstruppe Saladins und schlägt diese vernichtend.

Eine weitere Theorie befasst sich mit dem Gedanken der Brüderlichkeit in den Ordensregeln der Templer. So sind die beiden Tempelritter ein Symbol für die Brüderlichkeit im Templerorden.
Der nächste Interpretationsversuch ist der Gedanke, das die beiden Reiter eine Person darstellen sollen. Hier soll der Zwiespalt zwischen dem kämpfenden Soldaten und dem friedlichen Mönch dargestellt werden.

Während der Prozesse gegen die Templer, die auch zu der Auflösung des Templerordens geführt haben, wird den Tempelrittern aus diesem Symbol ein Strick gedreht. Ihnen wird vorgeworfen, das es sich bei diesem Symbol um einen Beweis für homosexuelle Handlungen handelt.

Geburtskirche in Bethlehem: Christus Monogramm X P in der Geburtskirche. In diesem Siegel zusätzlich mit Alpha und Omega

In vielen der Siegeln steht nicht „Sigillum Militum CHRISTI“ sondern die an das griechische angelehnte Version „Sigillum Militum XPISTI“. Diese beiden griechischen Buchstaben zu Beginn des Wortes Christi (Christus), nehmen Bezug auf Kaiser Konstantin den Großen, der vor der entscheidenden Schlacht an der milvanischen Brücke vor Rom, gegen seinen Widersacher Maxetius, eine Vision hat. In dieser Vision erscheint ein X (griechisch Chi), welches von einem P (griechisch Rho) überlagert wird. Dies ist ein so genanntes Christogramm oder Labarum. Konstantin dem Großen, der in den Ostkirchen als heiliger verehrt wird, bekommt gesagt „En touton nika“, was bedeutet „In diesem Zeichen siege“. Für die Templer ist dies eine gewichtige Aussage, da auch Konstantin dem Großen ein Kampfauftrag im Namen Gottes verliehen worden ist.

Des weiteren sind Siegel der Templer bekannt, die Adler zeigen. Je nach Siegel mit einem oder mit zwei Köpfen.

Bei den Tempelrittern auch beliebt ist das Tatzenkreuz im Siegel. Das Tatzenkreuz wird in verschieden Varianten benutzt. Da sehr viele von den Tempelrittern und den Großmeistern aus Frankreich stammen, haben diese das Tatzenkreuz häufig mit der französischen Schwertlilie Fleur de lys verbunden.

Ein weiteres häufig benutztes Symbol der Templer ist der Kopf von Johannes dem Täufer. Man muss dazu sagen, das manche Wissenschaftler den Kopf auch als Kopf Jesus Christus interpretieren. Auch dieses Siegel ist den Tempelrittern während des Prozesses gegen Sie zum Verhängnis geworden. Die Ankläger haben in dem Kopf keinen christlichen erkannt, sondern unterstellen den Tempelrittern, das es sich bei dem Kopf um einen Götzen handelt.

Vereinzelt sind als Siegel der Templer auch ein Ritter auf einem Pferd mit Schwert und Kreuz auf einem Schild vorgekommen. Aus England ist ein Siegel mit einer Burg bekannt. Ein aus Frankreich stammendes Siegel der Templer zeigt eine Taube. Ein weiteres Siegel zeigt Sonne und Mond eventuell aber auch Mond und Stern. Der Löwe ist im Siegel Otto von Braunschweig. Es kommt in dem Siegel mit dem Tatzenkreuz, Mond und Stern vor. Das Siegel von Guillaume de Beaujeu ist auch von einem Löwen bestimmt. In dem Zusammenhang ist zu erwähnen, das der Löwe das Symbol der Stadt Jerusalem ist. Weitere Tiere, die im Siegel der Templer dargestellt werden sind der Vogel Greif und das Pferd für sich ohne Reiter.